Ökologisches Waldkonzept für den Schwerter Kommunalwald

Beschlussvorschlag:

 

Dem „Ökologischen Waldkonzept für den Schwerter Kommunalwald“ wird zugestimmt. (Anlage 1)

Der kommunale Schwerter Wald wird damit Teil der Nationalen Biodiversitätsstrategie. Eine Teilfläche wird als Wildnisentwicklungsgebiet bei Erhalt der bestehenden Wege ausgewiesen. (Anlage 2)

Alle wegegebundenen Erholungsaktivitäten, wie Spazierengehen, Joggen, Nordic-Walking, Reiten usw. sind weiterhin ausdrücklich erwünscht und können im gewohnten Umfang stattfinden.

 

Sachdarstellung:

 

Die bereits seit einigen Jahren prognostizierten und nun offensichtlich stattfindenden Klimaveränderungen, insbesondere die signifikante Zunahme von Hitzeperioden in den Sommermonaten, leiten den Fokus innerhalb der Klimaschutzdiskussion stark auf die vorhandenen Waldflächen in Deutschland.

Naturnahe Wälder mit altem, großkronigem Baumbestand sind ein wertvoller Speicher von Wasser und kühlen durch Verdunstung die heißen Umgebungstemperaturen spürbar ab. Wälder sind ein natürlicher Speicher von CO2 und Erzeuger von Sauerstoff. Gleichzeitig wirken Wälder als natürlicher Filter von Luftschadstoffen.

Der Schwerter Kommunalwald besteht zu über 80% aus Laubbaumarten. Dabei ist die Buche die dominierende Baumart. Bemerkenswert ist das hohe Durchschnittsalter der Bäume des Schwerter Waldes. Von den 240 Hektar Kommunalwald sind rd. 60 ha älter als 140 Jahre und 150 ha zwischen 100 und 140 Jahren. Der Schwerter Wald entspricht mit diesen Merkmalen einem Wald von großer Naturnähe und befindet sich auf dem Weg zu einem ursprünglichen Wald (Urwald von morgen), dem neben seiner positiven Klimawirkung  auch eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt zukommt.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen hat in einer Untersuchung im Jahr 2017 die Eignung einer Teilfläche des Schwerter Waldes als Wildnisentwicklungsgebiet festgestellt. Hier unterbleiben zukünftig forstliche Eingriffe, bis auf die Verkehrssicherungsmaßnahmen anhand der bestehenden Wege.

Auch auf der übrigen Waldfläche wird der natürlichen Entwicklung Raum gegeben. Eine Holzentnahme findet im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht an Wegen und in ausgewählten Fällen für eine nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz unter den Maßgaben des ökologischen Waldkonzeptes statt.

Die anerkannten Landesnaturschutzverbände Naturschutzbund Deutschland (NABU NRW)
- Anlage 4 - und Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) – Anlage 5 - sowie der Landesbetrieb Wald und Holz NRW – Anlage 6 - sind bezüglich des Ökologischen Waldkonzeptes um Stellungnahme gebeten worden. Auch die AGON – Anlage 3 - als lokale Ortsgruppe des NABU hat eine positive Stellungnahme zum vorgelegten Waldkonzept abgegeben. Einigkeit besteht bei den Stellungnahmen darin, dass es sich beim Schwerter Wald um einen Erholungswald handelt, wobei die Naturschutzverbände vor allem die Bedeutung für den Artenschutz betonen. Unterschiedlich ist die Auffassung, welchen Stellenwert die Holznutzung einnimmt. So wünscht der Landesbetrieb eine Nutzung gerade auch der besonders ökologisch wertvollen Buchen, die älter als 120 Jahre sind, während der NABU insbesondere den Schutz der alten Buchen hervorhebt. Auf Kahlschläge wollen sowohl der Landesbetrieb als auch die Naturschutzverbände verzichten und damit der Naturverjüngung, wie im Waldkonzept dargelegt, den Vorzug geben. Um als CO2-Speicher einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, wird vom Landesbetrieb, die im Waldkonzept vorgeschlagene Holznutzung für langlebige Holzprodukte (Bauholz, Möbel) grundsätzlich begrüßt. Einer naturnahen Waldnutzung (Einzelstammentnahme) stehen auch die Naturschutzverbände nicht entgegen, wenn die im Waldkonzept aufgeführten Kriterien eingehalten werden. Der Landesbetrieb weist darauf hin, dass es zukünftig zu einer Verschiebung des Baumartenspektrums kommen kann. Dies ist aber auch Teil des ökologischen Waldkonzeptes, das ja gerade die Dynamik zulässt, welche heimischen Baumarten sich im Zuge des Klimawandels zukünftig langfristig durchsetzen werden (Prozessschutz).

Neben dem Konzept einer ökologischen Waldbewirtschaftung begrüßen die Naturschutzverbände ausdrücklich auch die Ausweisung einer Teilfläche des Schwerter Waldes als Wildnisentwicklungsgebiet. Ob hieraus in vielen Jahren ein „echter“ Urwald werden wird, kann nur die Zeit erbringen. Die AGON betont in ihrer Stellungnahme aber die bereits heute überaus wichtige Funktion des Schwerter Waldes für die Greifvögel (z.B. Mäusebussard, Habicht und Sperber), die an der Spitze der Nahrungspyramide stehen und sieht die Möglichkeit, dass das zukünftige Wildnisentwicklungsgebiet sowohl einen hohen Anreiz für Erholungssuchende als auch für den Naturschutz bietet.

Die AGON betont, dass nur im öffentlichen Waldbesitz im hohen Maße ökologische Grundsätze berücksichtigt werden können, während im privaten Waldbesitz vor allem wirtschaftliche Aspekte zur Geltung kommen. Schwerte könnte nach Auffassung des NABU mit seinem regional bedeutsamen alten Wald und dem Ökologischen Waldkonzept eine Vorreiterrolle übernehmen und anderen Kommunen als Beispiel dienen.

Finanzielle Auswirkungen: 

keine

 

 

 

 

 

Gleichstellungsbelange:

 

Gleichstellungsbelange werden nicht berührt.

 

 

Inklusionsbelange:

bezogen auf Einschränkungen in den Bereichen

(x) Beweglichkeit

(x) Sehen

(x) Hören

(x) Denken

(x) Fühlen

(x) werden nicht berührt.

( ) wurden berücksichtigt.

( ) wurden nicht berücksichtigt, weil _________________.