Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in Schwerte

Betreff
Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in Schwerte
Vorlage
IX/0171
Art
Sitzungsvorlage

Beschlussvorschlag:

 

Der Bericht wird zur Kenntnis genommen.

 

 

 

 

Böckelühr

 

Sachdarstellung:

 

Trotz einer fünfzigjährigen Migrationsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland ist das Zusammenleben von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland scheinbar immer noch nicht alltäglich. Viele leben bereits in der zweiten oder dritten Generation hier, sind hier geboren, aufgewachsen und betrachten Deutschland als ihre Heimat.

 

Migrations- und Integrationsprozesse von Männern und Frauen verlaufen unterschiedlich. Frauen, insbesondere der zweiten und dritten Migrationsgeneration, orientieren sich auch an den Rollenleitbildern deutscher Frauen, indem sie sich eine qualifizierte Berufsausbildung und eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen. Männer mit Migrationshintergrund scheinen sich noch eher an den Rollenleitbildern ihres Herkunftslandes zu orientieren.

Der Zugang zu Frauen mit Migrationshintergrund ist häufig eine besondere Herausforderung. Er ist jedoch unerlässliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammen- und Integrationsarbeit. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es  "die" Migrantin ebenso wenig gibt wie „die“ Deutsche. Zwischen den Migrantinnen bestehen erhebliche Unterschiede nach Herkunftsländern, ihren Bildungsvoraussetzungen bis hin zu ihrem Rechtsstatuts, ihrer Religionszugehörigkeit,  ihrer Lebenssituation und ihren ganz persönlichen Lebensentwürfen. Dies bedeutet, dass auch differenzierte Angebote für unterschiedliche Migrantinnengruppen, die teilweise vorhanden sind, weiter entwickelt werden müssen.

Das betrifft auch die Lebenssituation älterer Migrantinnen. Bisher wurde im Hinblick auf einen Verbleib im Alter häufig davon ausgegangen, dass ein großer Teil der Arbeitsmigrantinnen der ersten Generation in ihre Heimat zurückkehren würde. Das ist allerdings nicht der Fall, denn entgegen ursprünglicher Annahmen planen Migrantinnen jeden Alters überwiegend den Verbleib in der Bundesrepublik Deutschland.

 

Grunddaten zur Integration

In Schwerte leben derzeit 47.729 Menschen, davon sind 24.600 weiblich. 3.842 Personen (8 Prozent) haben keine deutsche Staatsangehörigkeit; hiervon sind 1.902 weibliche Migrantinnen

(Stand: 20.01.2015).

                              

Bestandsaufnahme einer interkulturellen Frauenarbeit in Schwerte

  • Generell enge Kooperation mit Hans-Joachim Berner, Geschäftsführer des Integrationsrates der Stadt Schwerte
  • Internationales Frauencafé mit Birgit Roll in der VHS seit 1992
  • enge Kooperation mit Karla Matussek als Mitglied im Integrationsrat über den damaligen Gleichstellungsausschuss und bis heute über die AG Frauen
  • Zum Internationalen Frauentag 1993 Interkulturelle Frauentage durchgeführt
  • Interkulturelle Mutter-und Kind-Gruppe im Frauenraum (jetzt in Halle 4 der Rohrmeisterei) mit Zahra Mosaddeghi und Marina Störmer seit 1993
  • Beteiligung an der Woche der Ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger

Kabarett, Ausstellungen z. B. über die Situation von Flüchtlingsfrauen etc.

  • 1994 Fachtagung zur Lebenssituation ausländischer Frauen und Mädchen, Veranstalterinnen: S.I.G.N.A.L e.V., RAA, VHS und Gleichstellungsstelle
  •  Interkulturelle Begegnung mit Frauen in 2005 als Workshop
  • 2006 Gründung eines Aktionsbündnisses: Ausländerbeirat, Kita Beckestraße, Kita Jägerstraße, Kath. Akademie, Frauenreferat im Ev. Kirchenkreis Iserlohn, RAA, VHS, Städt. Kita Tausendfüßler und Gleichstellungsstelle zum Aufbau eines Internationalen Frauentreffs
  • Nachbarschaftscafé im AWO Familienzentrum Kita Beckestraße
  • Aynur Akdeniz, Vorsitzende des Integrationsrates, als Interviewgast bei den Weibsbildern ebenso wie Fadim Kalyci und Aynur Yavuz vom Türkischen Elternbund
  • 2010 Beteiligung des frauenpolitischen Netzwerkes Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen an der Erstellung des Integrationskonzeptes der Stadt Schwerte
  • 2011 in Kooperation mit Jennifer Petroll, damals beim Bildungswerk Multi Kulti in Lünen, Angebot des Kurses „Auch ich hab was zu sagen! – aber wie?“ zur politischen Partizipation für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte zu den Themenfeldern: Meine Stadt, in der ich lebe, Politik und Verwaltung in Schwerte
  • Teilnahme am Fastenbrechen: Kontakt zu Yedi Renk, türkische Mädchen-Folklore-Tanzgruppe
  • Kooperationen über Stärken vor Ort
  • Projektidee Integrationshelferinnen über Irmtraud Ruder, Beginen
  • Kooperationen zu Frauenthemen in dem Bundesprojekt Stärken vor Ort:

hier wurde das Projekt der Integrationshelferinnen von dem AWO Familienzentrum Regenbogen in der Beckestraße beantragt

  • 2011 Beteiligung der AG Frauen an der Integrationskonferenz
  • Über den Kontakt im Nachbarschaftscafé waren Frauen mit Zuwanderungsgeschichte beim Auftakt für die Fragebogenaktion zum ehrenamtlichen Engagement dabei
  • Enge Kooperation mit dem Türkischen Elternbund auch durch die räumliche Nähe in Halle 4
  • 2014 erhalten die Leiterinnen der Interkulturellen Mutter-und Kindgruppe  Zara Mosaddeghi und Marina Störmer die Stadtmedaille in Silber der Stadt Schwerte.

Die Gruppe erhält keinen regulären finanziellen Zuschuss, außer je ein Euro des Eintrittes zum Internationalen Frauenfest  (bei max. 300 Gästen, 300€).

  • Interreligiöse Dialoge mit der AG Frauen:

Sommer 2014 Besichtigung Moschee und Einladung zum Fastenbrechen

  • Ermutigung zu sportlicher körperlicher Betätigung durch Nordic Walking und  Gymnastik durch die Frauenbeauftragte des Stadtsportverbandes, Doris Barthelmey

 

Sozialraumarbeit des Jugendhilfedienstes der Stadt Schwerte im Kontext des interkulturellen Ansatzes

Die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund ist Bestandteil der Aufgaben des Jungendhilfedienstes. Dieser Fachdienst organisiert regelmäßig Sozialraumkonferenzen in den verschiedenen Stadtteilen. Besondere Problemlagen von Familien mit Migrationshintergrund werden unter Wahrung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen mit dem Ziel erörtert, Lösungen zu erarbeiten.

Auch in den Flüchtlingswohnheimen ist der Jugendhilfedienst aktiv und unterstützt Familien mit Migrationshintergrund. Angesichts des anhaltenden Zuzugs von Flüchtlingsfamilien wurde im Rahmen von Netzwerkarbeit ein Arbeitskreis ins Leben gerufen, der sich mit der besonderen sozialen Situation von Flüchtlingen beschäftigt und bedarfsgerecht unterstützt. Hier ergibt sich eine sehr gute Schnittmenge zur interkulturellen Frauenarbeit, die bei Bedarf genutzt werden könnte.

 

Rucksackprogramm an der Friedrich-Kayser-Grundschule

Ziele des Rucksackprogramms an der Friedrich-Kayser-Schule sind sowohl die Sprachförderung und die Elternbildung als auch die Förderung der allgemeinen kindlichen Entwicklung und die Verbesserung der Kommunikation bzw. der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern. Erreicht wird dies durch die pro Jahrgang wöchentlich für zwei Stunden stattfindenden Gruppen für Mütter der türkischstämmigen Schulkinder, die von einer Mütteranleiterin, unterstützt durch pädagogisches Fachpersonal, geleitet wird. In diesen Gruppen wird den Müttern der schulische Lernstoff der Kinder vermittelt und sich mit Fragen der Erziehung auseinander gesetzt. Auch grundlegende Lerntechniken werden sowohl in der Herkunftssprache als auch in der deutschen Sprache vermittelt und erprobt. Die parallel zum Klassenunterricht der Kinder vermittelten Themen werden dann von den Müttern zu Hause gemeinsam mit dem Kind bzw. mit der gesamten Familie bearbeitet. So werden einerseits die Mütter in den Schulalltag wesentlich besser eingebunden und wird andererseits im Unterricht die Zweitsprache Deutsch und bei den Mutter-Kind-Aktivitäten zuhause die Muttersprache wesentlich verbessert.

 

Das Rucksackprogramm der Friedrich-Kayser-Schule wurde erstmalig auf Initiative des damaligen Ausländerbeirates der Stadt Schwerte zu Beginn des Schuljahres 2008/2009 als zweijähriges Sprach- und Bildungsprogramm für türkische Mütter und ihre Kinder angeboten. Auch die Finanzierung wurde damals vom Ausländerbeirat übernommen. Ab 2010 finanzierte die Sparkasse Schwerte als Sponsor die Rucksackgruppen. 2012 wurde das Rucksackprogramm dann mit einer einjährigen Anschubfinanzierung über die RAA-Kreis Unna finanziert und ab 2013 stehen Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zur Verfügung. Seit den Sommerferien 2013 läuft das Rucksackprogramm an der Friedrich-Kayser-Schule über alle vier Grundschulklassen, also über vier Jahre.

 

Netzwerk wegen der Ehre

Im kreisweiten Netzwerk gegen Zwangsheirat und Gewalt in der Familie liegt der momentane Arbeitsschwerpunkt auf der indirekten Verbesserung der Lebenssituation von Mädchen und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte. Das Ziel lautet, ein Gleichstellungsprojekt für Jungen „Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ im Kreis Unna zu etablieren. Es soll darum gehen nachhaltige Strukturen zu schaffen, wie Jungen in Form von Trainings die Möglichkeit erhalten können, sich von diesen Machtstrukturen zu distanzieren.

 

Filmprojekt Töchter des Aufbruchs

Neben dem Fokus auf die Gleichberechtigung der heranwachsenden Jungen und Männer in dem Projektvorhaben „Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ ist es ebenso wichtig die Migrationsgeschichte von Frauen zu beleuchten. Dies geschieht mit dem Filmprojekt „Töchter des Aufbruchs“, welches am 12. Februar 2015 im Bürgersaal des Rathauses der Stadt Schwerte in Kooperation mit dem Lila Salon zu Gast war. Bereits im November 2014 wurde in dem AWO Familienzentrum Regenbogen in der Beckestraße der Grundstein für einen generationsübergreifenden interkulturellen Dialog gelegt.

 

In dem Dokumentarfilm von Uli Bez  nimmt eine junge Rapperin „Komm mit, wir wandern, ich habe Wanderlust …!“ die Zuschauenden temporeich und mitreißend auf die Reise durch die Geschichte von 15 Migrantinnen in Deutschland. Flucht, Arbeitssuche oder einfach die Lust auf etwas Neues: Dies waren und sind die Gründe, welche die Frauen seit den 60er Jahren aus aller Welt in die Bundesrepublik Deutschland führten.

Der Dokumentarfilm lebt durch den starken Charakter der Frauen und erzählt aus dem Leben von Migrantinnen unterschiedlicher Generationen, die nach Deutschland eingewandert sind. Ihre Gründe sind vielfältig, jedoch ist ihnen eines gemeinsam: Sie alle sind „Töchter des Aufbruchs“ (www.toechterdesaufbruchs.de).

Es sind oft abenteuerliche Geschichten. Sie verhehlen auch nicht, dass es einen bleibenden Schmerz gibt: wenn die Kinder daheim im Dorf bleiben mussten und heute der Mutter entfremdet sind. Die charakterstarken Migrantinnen haben alle, ob aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen, einen Neuanfang gewagt und sich durchs Leben in der Fremde gekämpft. Es sind kraftvolle Erfolgsgeschichten, gerade wenn die jungen Frauen aus der „Enkelinnenperspektive“ über das Leben ihrer Großmütter berichten. Letztere blicken mit Witz, Charme und teilweise auch Ironie auf ihr Leben zurück. „Wir sind angekommen. Jede von uns hat einen Weg gefunden. Jede auf ihre ganz eigene Art.“

 

Pionierinnen mit Zuwanderungsgeschichte

Angeregt durch diesen mitreißenden Film und im  Rahmen eines Frauenstadtrundganges mit Hille Schulze Zumhülsen entstand die Idee eines Projektes über Schwerter Pionierinnen mit Zuwanderungsgeschichte, deren Leistungen ins rechte Licht gerückt werden sollen. In Kooperation mit  dem AWO Familienzentrum Regenbogen und dem AK Schwerter Frauengeschichte(n) wurde das Projekt auf den Weg gebracht. Gesucht und gefunden wurden Frauen, die in Schwerte in einem Lebensbereich, sei es beruflich oder ehrenamtlich, erstmalig aktiv waren. Die eine ist Geschäftsinhaberin, andere Gründerin eines Arbeitskreises oder die Vorsitzende einer Gruppe etc. Das Projekt, fotografisch von Sina Weber begleitet, wird im Rahmen des Frauenempfanges des Bürgermeisters der Stadt Schwerte am 16. April 2015 vorgestellt. Geplant ist die Ausstellung der zehn Portraitfotos und eine Broschüre, die die Biografien dokumentiert.

 

Interkulturelle Mutter- und Kindgruppe

Ein besonders erfolgreiches Integrationsprojekt, die Interkulturelle Mutter-und-Kindgruppe, existiert trotz ständiger finanzieller Engpässe bereits seit über  20 Jahren in Schwerte. Angefangen als VHS-Kurs, zeitweise unter der Trägerschaft von SIGNAL e.V. und des Diyanet Moschee-Vereins, treffen sich Mütter und Kinder unterschiedlichster Kulturen regelmäßig zweimal wöchentlich. Zwei Frauen leiten unentgeltlich dieses erfolgreiche Integrationsprojekt.

 

Treffpunkt ist der zentral gelegene Frauen- und Kinderraum  in der Halle 4 der Rohrmeisterei (alte Theaterhalle 5,4). Im Vordergrund der gemeinsamen Aktivitäten stehen der Kontakt und das Kennenlernen der jeweils anderen Kultur. Bei Gesprächen über Sitten und Gebräuche, Religionen, Kindererziehung, Mutterschaft und Beruf bauen die Frauen Berührungsängste ab und genießen den Austausch. Die Kinder werden im gemeinsamen Spiel angeleitet und lernen ebenfalls spielerisch die deutsche Sprache, was ihnen den Besuch von Kindergarten und Schule erleichtern soll. Ein praxisorientierter Integrationskurs, der in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Kooperationspartnern  stattfindet, hilft den Müttern ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und sich hierüber leichter zu integrieren.

 

Als Wertschätzung für die über zwei Jahrzehnte ehrenamtlich geleistete Arbeit erhielten die beiden Gruppenleiterinnen Zahra Mosaddeghi und Marina Störmer im Jahre 2014 die Stadtmedaille in Silber der Stadt Schwerte.

 

Politische Partizipation

In Zusammenarbeit mit dem Multikulturellen Forum Lünen e.V. fand im Frühsommer 2011 ein interkultureller Kurs für Frauen, der Wissen in praxisorientierter Weise über die Schwerter Kommunalpolitik und die Stadtverwaltung vermittelt, statt. Hier bietet sich ein Einstieg von Migrantinnen in eine mögliche politische Partizipation im Schwerter Gemeinwesen an.

 

Situation von Flüchtlingsfrauen

Weltweit stellen Frauen und Kinder mit 80% den größten Anteil der Flüchtlinge. In der Bundesrepublik Deutschland sind ca. 30% aller Flüchtlinge weiblich. Frauen fliehen, ähnlich wie Männer, aufgrund von weltweiten Menschenrechtsverletzungen (durch bspw. Armut, Hunger, Krieg, Folter, mangelnde Bildung und medizinische Versorgung sowie Folgen von Umweltzerstörungen). Darüber hinaus fliehen Frauen aufgrund geschlechtsspezifischer Gewalterfahrungen (wie Vergewaltigungen, Verstoß gegen kulturelle Normen, Genitalverstümmelung uvm.) (vgl. Migra, Internationales Frauen-Forum, Ruhr Uni Bochum 2015).

 

Gefahrenvolle Reisewege, herum geschoben durch ganz Europa, untergebracht in Sammelunterkünften oft weit weg von jeder Infrastruktur, Gutscheine, Arbeitsverbote, ein alltäglicher Kampf um ausreichende medizinische Versorgung, immer gegenwärtig die Angst vor Abschiebung. So beschreibt Woman in Exile, die Flüchtlingsfrauenselbstorganisation, die Situation vieler Frauen.  In der Stadt Schwerte haben im Januar 2015 insgesamt 251 Personen, darunter 62 Frauen, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bezogen.

 

Der Arbeitskreis Asyl Schwerte  will mit seinem Engagement gegen Vorurteile und Rassismus angehen. Der AK Asyl setzt sich für die Interessen und Belange von Asylbewerbern und Asylbewerberinnen und Flüchtlingen aller Nationen ein.

Um die Öffentlichkeit über die Situation der Betroffenen zu informieren, werden Informationen und Aktionen für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht.

Insbesondere werden Paten und Patinnen gesucht, die sich für die Belange von Flüchtlingen und Asylbewerbenden einsetzen, d.h. eine  Ansprechperson für Familien oder eine Einzelperson zu sein. Die Begleitung zu jeder Art von Behörde der Institution, sowie die Interessenvertretung vor Ort, sind Bestandteile einer Patenschaft. Hier besteht die Möglichkeit, sich jederzeit bürgerschaftlich einzubringen.

 

Häusliche Gewalt

Ein besonders wichtiger Aspekt der geschlechtergerechten Integrationsarbeit sind die Hilfen für Migrantinnen zum Thema häusliche Gewalt. Nach einer UN-Studie hat jede dritte Frau in Deutschland Gewalt erfahren. Das Integrationsministerium  NRW argumentiert, dass die Quote von Gewalterfahrungen bei Migrantinnen höher und die erlittene Gewalt auch öfter mit Verletzungen verbunden ist als bei deutschen Frauen.

Wichtig ist, dass die gesundheitliche Höherbelastung der Migrantinnen nicht überwiegend auf deren höhere Gewaltbelastung zurückzuführen, sondern stärker mit anderen Variablen der Lebenssituation gekoppelt ist, wie der sozialen Lage, einem  geringeren Bildungs- und Ausbildungsniveau, dem Mangel an gut abgesicherten beruflichen und sozialen Einbindungen sowie dem Fehlen eines vertrauensvollen, engen Beziehungsnetzes.

Eine Untersuchung von Interventionsprojekten gegen häusliche Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass Migrantinnen durch Frauenhäuser und durch zugehende Beratungsangebote besser als durch andere Hilfsangebote erreicht werden. Vor allem das stationäre Schutzangebot in Frauenhäusern wird von Migrantinnen stark genutzt; für sie scheinen sich seltener andere Möglichkeiten zu bieten als für deutsche Frauen. Neue Beratungsformen der zugehenden Beratung bewähren sich sehr für Migrantinnen, insbesondere für diejenigen mit geringen Deutschkenntnissen. Die Mitarbeiterinnen dieser Beratungseinrichtungen werden von der Polizei bei Fällen häuslicher Gewalt informiert. Sie nehmen Kontakt mit den Betroffenen auf, beraten und begleiten sie im weiteren Verfahren. Die für das Beratungsgespräch erforderliche Übersetzung kann sehr viel einfacher organisiert werden, wenn die Nachfrage nach Beratung nicht unerwartet kommt, sondern der Zeitpunkt von der Beraterin bestimmt werden kann.

Die bestehenden Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten in der Stadt Schwerte und im Kreis Unna wurden im Nachbarschaftscafé der AWO durch die Kontaktbeamtin für muslimische Institutionen der Kreispolizeibehörde vorgestellt. In Kooperation mit dem türkischen Elternbund  - insbesondere über die Migrantinnen-Netzwerke -  wurden Frauen gezielt angesprochen mit dem Erfolg, dass über die Hälfte der Teilnehmerinnen Migrantinnen waren.

Generell zeigen die Erfahrungen, dass gewaltbetroffene Migrantinnen die Hilfsmöglichkeiten nur unzureichend kennen und dass sie oft von einer sehr viel größeren Scham als deutsche Frauen belastet sind. Wegen evtl. fehlender  Sprachkenntnisse können die Angebote zudem von den betroffenen Migrantinnen nicht ausreichend genutzt werden. Deshalb ist gerade für Migrantinnen der Ausbau niedrigschwelliger, zugehender und anonymer Hilfsangebote wichtig. In diesem Bereich ist es auch erforderlich, gezielt mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Ärztinnen, Ärzte und Polizei sind oft die ersten Anlaufstellen, die Kenntnis von häuslicher Gewalt bekommen. Diese Berufsgruppen sollten im Umgang mit ausländischen betroffenen Frauen besonders sensibilisiert werden. In diesem Themenfeld ist der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt auf Kreisebene besonders aktiv und hat auch Flyer mehrsprachig herausgegeben.

Eine Fachkraft des Jugendhilfedienstes der Stadt Schwerte arbeitet aktiv in diesem Netzwerk mit.

 

Bericht im Integrationsrat

Der letzte inhaltliche Kontakt mit dem Integrationsrat ergab sich im Februar 2013 bzgl. der besseren Vernetzungsmöglichkeiten mit der Arbeitsgemeinschaft Schwerter Frauengruppen (AG Frauen). Ausgangspunkt war die Studie des überparteilichen Frauenbündnisses zum ehrenamtlichen Engagement Schwerter Frauen. 7 Frauen mit Zuwanderungsgeschichte von 252 insgesamt hatten sich beteiligt.

„Leider haben wir mit unserer Fragebogenaktion nur 7 Frauen mit Zuwanderungsgeschichte erreicht. Das mag einerseits an der Form der Integration in die örtliche Zivilgesellschaft liegen, andererseits wissen wir durch Kooperationen und Angebote für diese Zielgruppe, dass eine spezifische und intensive Ansprache bzgl. unseres Fragebogens notwendig gewesen wäre. Der Weg über die Multiplikatorinnen in diesem Bereich war hier von unserer Seite nicht ausreichend. Außerdem können evtl. sprachliche Barrieren eine Rolle gespielt haben, unseren umfangreichen Fragebogen nicht auszufüllen. Es lässt aber trotzdem vermuten, dass auch diese Frauen ein großes Potential an freiwilliger ehrenamtlicher Arbeit mitbringen. Der Zusammenhalt und die Einbindung in den kulturellen Gemeinschaften sind in der Regel sehr groß. Gerade hier werden einzelne Tätigkeiten, die weniger öffentlich präsent sind, erbracht.“  (Zeit für Schwerte, Umfrage zum ehrenamtlichen Engagement Schwerter Frauen vom August 2011, Seite 16)

 

Auszug des Bausteins Migration und Integration aus den Wahlprüfsteinen der Arbeitsgemeinschaft der Schwerter Frauengruppen (überparteiliches Schwerter Frauenbündnis) erstellt für die Kommunalwahl in 2009

Migrantinnen sind eine äußerst heterogene Gruppe, deren Lebensbedingungen sich durch viele Faktoren unterscheiden. Hierzu zählen Staatsangehörigkeit, Einreisealter, Familienstand, Aufenthaltsdauer, Rechtsstatus, Bildung, Kultur und Religionszugehörigkeit oder Schichtzugehörigkeit. Entsprechend unterscheiden sich die Lebenslagen dieser Frauen erheblich. Inzwischen werden Migrantinnen nicht mehr als Trägerinnen von Defiziten (rückständige Ausländerin) wahrgenommen, sondern als Frauen, deren interkulturelle Kompetenz anerkannt und geschätzt wird.

In Schwerte leben 1.910 Migrantinnen aus 108 Ländern (Zahlen aus 2005).

 

Vor diesem Hintergrund forderte die Arbeitsgemeinschaft der Schwerter Frauengruppen

  • Unterstützung und finanzielle Förderung der Interkulturellen Mutter- und Kindgruppe, die seit über 20 Jahren wichtige Integrationsarbeit in Schwerte leistet.

 

  • Die Aufhebung der Schuleinzugsbezirke führt zu einem weiteren Anstieg des überdurchschnittlichen Anteils von Kindern mit Migrationshintergrund an der Friedrich-Kayser-Grundschule. Eine Entwicklung von Konzepten zur Förderung der Integration  und zur Verteilung der Kinder mit Migrationshintergrund auf die Schwerter Grundschulen soll der Entwicklung mangelnder Integration und Isolation sowie einer möglichen Entwicklung zu einem Brennpunktbereich entgegenwirken.

 

  • Förderung von Stadtteiltreffpunkten und Begegnungsmöglichkeiten für ein Miteinander von Migrantinnen und deutschen Frauen, z. B. wie im AWO-Familienzentrum in der Beckestraße.

 

  • Spezielle Angebote für junge Migrantinnen in der offenen Jugendarbeit, um ihnen einen Austausch zu mädchenspezifischen Themen zu ermöglichen.

 

  • Spezielle Sportangebote (z. B. Schwimmkurse) für Mädchen und Frauen unter Berücksichtigung ihrer kulturellen und religiösen Hintergründe.

 

  • Fortbildungen für Fachkräfte in pädagogischen Einrichtungen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz. Hierzu gehört z. B. die Auseinandersetzung mit kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

 

  • Vergabe von Ausbildungsplätzen bei der Schwerter Stadtverwaltung und ihren Betrieben an Jugendliche mit Migrationshintergrund, um eine interkulturelle Öffnung zu fördern.

 

Fazit

Besonders interessant wäre es für Schwerte zu ermitteln, was Frauen mit Zuwanderungsgeschichte am Ort benötigen, was sind ihre spezifischen Bedürfnisse, Anliegen, aber auch ihre Wünsche und welche notwendigen Unterstützungsmöglichkeiten ergeben sich daraus?

 

Die interkulturelle Frauenarbeit in Schwerte ist geleitet von den Fragen:

Wie können Migrantinnen und deutsche Frauen in einen Dialog kommen? Und mit welchem Instrumentarium kann ein Aufbrechen des Schweigens und der Beginn eines Dialoges gelingen?

 

Frauen im Rahmen eines Projektes des VAMV-Verband alleinerziehender Väter und Mütter gaben interessante Antworten:

»Wir müssen uns einfach kennen lernen …«

»… wir müssen erzählen …«

»… dann müssen wir aber auch zuhören …«

»… wir sind alles Frauen, wir werden uns verstehen …«

»… wir müssen uns erinnern …damit wir voneinander mehr wissen …«

 

Durch Projekte, die auf Austausch und Kontakt setzen, können wir in Schwerte unsere kulturellen Eigenarten schätzen lernen und zur Heimat für Menschen aus allen Nationalitäten werden.

 

Angesichts der aktuellen Islamfeindlichkeit, mit dem Auswuchs der schrecklichen Anschläge in Paris, ist ein verstärktes Engagement in den interkulturellen Szenen auch mit dem aktuellen Zuwachs an Flüchtlingen in unserer Stadt notwendig. Mit Toleranz, Humor und gegenseitige Begeisterung können unsere interkulturellen Beziehungen in der globalisierten Welt funktionieren. Insbesondere moderne Firmen setzen auf Diversity als Managementansatz. Eine offene, globale, vielfältige Gesellschaft im Großen wie im Kleinen bietet enorme Vorteile und bedeutet Gewinn auf allen Ebenen. Frauen sind der Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Integration ihrer Familien in die Gesellschaft. Sie sind die Brücke zwischen den eigenen vier Wänden und der Welt draußen. Verwaltung, Organisationen und Vereine sind aufgerufen, die Frauen bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Wichtig ist es hier, praktische dialogische Möglichkeiten zu schaffen, sodass sich  Migrantinnen selbst stärker ins öffentliche Leben einbringen können, als Akteurinnen des politischen und gesellschaftlichen Lebens.

 

Konkrete Ideen

  • Neukonzipierung des Kurses zur politischen Partizipation - Wie Zielgruppe erreichen?
  • Mentoringprojekt für junge Frauen mit Zuwanderungsgeschichte
  • Projekt: Integrationshelferinnen beleben
  • Welche Frauen mit Migrationshintergrund nehmen an der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Schwerter Frauengruppen teil?
  • Im Dialog zwischen den unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Konfessionen liegt eine große Chance und Herausforderung für die zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft. Der Stadtverband der evangelischen Frauenhilfe bezieht möglichst viele Religionen und auch nicht-religiöse Frauen in den Dialog ein.
  • Präsentation  des Filmes „Töchter des Aufbruchs“ in Schulen für Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe (ab der Sek II)
  • Kreisweit wird eine Fortbildung für Lehrkräfte im Kontext des Filmes angeboten