Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum

Betreff
Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum - Sachstandsbericht
Vorlage
VII/917
Aktenzeichen
51
Art
Sitzungsvorlage

 

Der Jugendhilfeausschuss nimmt den Sachstandsbericht „Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum“

zur Kenntnis.

Sachdarstellung:

 

Ende 2004 nahm die AG Jugendhilfeplanung, eine Untergruppe der AG § 78 SGB VIII, ihre Arbeit zunächst mit dem Ziel auf, Bedarfe im Bereich der Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien zu ermitteln und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Die Zwischenergebnisse wurden in der Sitzung des JHA am 07.02.2006 und am 16.10 2007, Drucks.-Nr. VII/801, vorgetragen.

 

Mit der landesweiten Diskussion um eine stetig wachsende Zahl von Hilfefällen und der Häufung von in den Medien veröffentlichten Fällen der Kindesvernachlässigung oder gar Kindestötung kristallisierte sich auch in Schwerte der Bedarf an einem sog. Sozialen Frühwarnsystem als präventives Element der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe heraus.

Die AG Jugendhilfeplanung wurde als das geeignete Gremium angesehen, ein solches „Frühwarnsystem“ zu konzipieren.

 

Nachfolgende Arbeitsergebnisse der AG liegen vor:

 

Von dem Begriff „Frühwarnsystem“ wurde Abstand genommen , weil er zu negativ besetzt ist und den Kontrollaspekt in den Vordergrund rückt. Als  Arbeitstitel wurde  „Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum“ ausgewählt, mit Ziel einen  positiveren  Zugang zu Familien zufinden . Hierbei geht es zunächst um gegenseitiges Kennen lernen und Informationsvermittlung . Dies beinhaltet auch die Integration der Familie in den Stadtteil.

 

Für das Schwerter Konzept „Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum“ sind bereits erste programmatische Aussagen getroffen worden:

 

1.      Die Kontaktaufnahme zu Familien erfolgt in ihrem Sozialraum. Sie ist verbunden mit dem Ziel, Familien mit Kindern über Angebote im Stadtteil, aber auch in gesamt Schwerte zu informieren.

2.      Eventuelle Hilfen sollen möglichst frühzeitig angeboten werden, um spätere Eskalation oder schwerwiegendere Probleme zu vermeiden.

3.      Familien werden in den Blick genommen. Das bedeutet, dass Angebote für alle Familienmitglieder entwickelt werden.

4.      Die Angebote müssen vor Ort stattfinden, so dass sie gut erreichbar sind und lange Wege als Hemmschwelle vermieden werden.

5.      Die Annahme der Angebote ist freiwillig. Ausnahme ist die Gefährdung eines Kindes.

 

Das Konzept Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum enthält zwei Säulen:

 

1.      Prävention

2.      Reaktion.

 

Im Bereich der Prävention werden vier Bausteine entwickelt:

 

·         Ausbau der Angebote von Familienzentren vor Ort in Hinblick auf z.B. Schwangerenberatung, Geburtsvorbereitungskurse, Informationsvermittlung für die Zeit nach der Geburt.

·         Vernetzung der Bereiche Schwangerenberatung, Angebote des Marienkrankenhauses, der Gynäkologen, Kinderärzte in Bezug auf Unterstützung, Entwicklung früher Hilfen, Verfahren bei Kindeswohlgefährdung.

·         Besuche von Familien mit neugeborenen Kindern durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Planungsteams und weiterer Kooperationspartner.

·         Entwicklung von Projekten oder Unterrichtseinheiten an weiterführenden Schulen.

 

Die reaktiven Bausteine leiten sich im Wesentlichen aus § 8a SGB VIII Kindeswohlgefährdung und dem bereits bestehenden Standardverfahren ab:

 

·         Das Standardverfahren bei Kindeswohlgefährdung gem. § 8a SGB VIII wurde im Jugendhilfeausschuss am 23.05.2006 vorgestellt und beraten und ist in die Arbeit  für die Planungsteams integriert.

·         Zwischenzeitlich wurden alle Erzieherinnen der Schwerter Kindertageseinrichtungen und Fachkräfte der Offenen Ganztagsschule (OGS) bezogen auf Früherkennung von Kindeswohlgefährdung und Standardverfahren geschult.

·         Da eine einmalige Schulung nicht ausreicht, werden ein- bis zweimal jährlich zweistündige Veranstaltungen für folgende Gruppen angeboten:

o   Kindertageseinrichtungen

o   OGS und weiterführende Schulen

o   Offene Jugendarbeit und Jugendverbände

o   Planungsteams und Anbieter von Jugendhilfe.

 

Wie in Ziel 1 des Produktes 006 003 001 Kinder-, Jugend- und Familienberatung sowie erzieherische Hilfen festgelegt, soll die Gesamtkonzeption der Frühen Hilfen für Familien im Sozialraum bis Ende 2008 vorliegen. Um den Zeitplan einzuhalten, haben die Planungsteams in einer gemeinsamen Sitzung am 23.01.2008 Arbeitsschritte für jedes Quartal festgelegt, die für alle verbindlich sind.

Die AG Jugendhilfeplanung wird die Konzeptentwicklung und die Entwicklung erster Maßnahmen in gleicher Weise organisieren.

 

Die Gesamtkonzeption Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum entspricht den Anforderungen der Früherkennung von Problemen und rechtzeitigen Unterstützung. Besonderes Augenmerk wird auf den Ausbau der Prävention – freiwillig, niedrigschwellig und vor Ort – gerichtet.

 

Im November 2007 wurden kurzfristig Landesmittel zur Anschubfinanzierung sozialer Frühwarnsysteme nach bestimmten Quoten den Kommunen auf Antrag zur Verfügung gestellt. Der Stadt Schwerte wurden Mittel in Höhe von 4.900 Euro am 12.12.2007 bewilligt. Bei den Ausgaben, die alle noch im Jahr 2007 kassenwirksam werden mussten, durften die Sachkosten 20% der Gesamtsumme nicht überschreiten. Die verbleibenden 80% waren für Personalkosten und Honorare vorgegeben.

Aufgrund der kurzfristigen Bewilligung und der erheblichen Kürze der Bearbeitungszeit von zwei Wochen  konnte nicht die Gesamtsumme verausgabt werden. Im Rahmen der möglichen Sachkosten wurden Taschen, kleine Begrüßungsgeschenke und die vom Bündnis für Familie erstellten Familienatlanten beschafft, die bei den  Besuchen den Familien mit Neugeborenen überreicht werden.

Im Rahmen der Personalkosten wurden Konzeptarbeit, die Vorbereitung von Fachtagungen zum Thema Kindeswohlgefährdung und Personalkosten für die Evaluation der Erzieherinnenfortbildung im Rahmen des § 8a SGB VIII Kindeswohlgefährdung abgerechnet.

Nach Vorlage des Verwendungsnachweises bis zum 31.03.2008 entscheidet das Land, ob ggf. die noch nicht verausgabten Mittel zurückgezahlt werden müssen.

Sollte das Restgeld nicht zurückgefordert werden, wird es, da es zweckgebunden ist, für die Weiterentwicklung des Gesamtkonzeptes Frühe Hilfen für Familien im Sozialraum genutzt.

 

 

 

 

Finanzielle und haushaltsmäßige Auswirkungen einschließlich Folgekosten:

Haushaltsjahr

 

 

 

 

 

Ertrag

 

 

 

 

 

Aufwand

 

 

 

 

 

 

 

Investitionsvolumen

 

 

 

 

 

Bilanzveränderung

 

 

 

 

 

Abschreibung

 

 

 

 

 

 

 

Ersatzinvestitionszeitpunkt

 

 

 

 

in obigen Beträgen enthalten

ja

nein

 

Aufwand Betriebsaufnahme

 

 

 

lfd. Betriebsaufwand

 

 

 

Haushaltsmittel

Üpl.A.

Apl.A.

 

 

 

 

 

 

 

Gleichstellungsbelange:

 

Mit der Gleichstellungsstelle wurde das Konzept ausführlich diskutiert.